Das pädagogische Konzept der Selztalschule

Um unsere pädagogischen Prinzipien zu beschreiben, kann man sich gut das bereits erwähnte Bild vom „Haus des Lernens“ zunutze machen:

Wie beim Bau eines Hauses arbeiten wir zuerst am Fundament. Damit es solide ist, wird eine genaue Lernstandsanalyse durchgeführt; die ermittelten Stärken stützen das Fundament. Sie helfen, Lernfreude und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu vergrößern, bzw. zurück zu geben. Wir sehen dies als Voraussetzung für den Weiterbau am individuellen Lernhaus. Ähnlich einem Bauplan hat jedes Kind einen Förderplan, der auf der Grundlage unserer Diagnostik (Tests, Beobachtung, Einzelbetreuung, Gutachten, etc.) erstellt und regelmäßig fortgeschrieben wird. Hier wird der individuelle Bedarf formuliert, in Teilziele zerlegt und nach und nach durch passgenaue Angebote und Maßnahmen angegangen. Dabei legen wir großen Wert auf unseren ganzheitlichen Ansatz: beim Lernen sollen alle Sinne und Kanäle angesprochen und so für den jeweiligen Lerntyp die richtige Herangehensweise bereit gestellt werden. Projektorientiertes Arbeiten verschafft zudem nachhaltige Lernerlebnisse.

Die Lernarrangements sind hoch differenziert und gelten wegen der geringen Klassenstärke und der günstigen Personalausstattung als sehr effizient.

Inhaltlich haben wir für die einzelnen Klassenstufen Erwartungsziele und Minimal-Standards festgelegt. Sie bilden jedoch nur eine grobe Orientierung, da aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen und Möglichkeiten des einzelnen Kindes die jeweiligen Klassenziele nicht erzwungen werden können. Wer die Standards nicht erreicht, verbleibt dennoch in der Jahrgangsstufe und arbeitet an den individuellen Zielen weiter. Die persönlichen Fortschritte im Lernprozess bilden die Grundlage der Leistungsbewertung. Daher wird auch eine Benotung von Leistungen weit nach hinten geschoben. In den ersten vier Klassenstufen werden nur Verbalbeurteilungen verfasst; sie beschreiben detailliert die Lernentwicklung. Dann kommen Noten in Mathematik und Deutsch dazu und erst ab der 7. Klasse werden in allen Fächern Noten vergeben.

Um das Bild vom Lernhaus wieder aufzugreifen: die einzelnen Schülerinnen und Schüler arbeiten also unterschiedlich schnell an ihren Mauern und Räumen. Da aber der Bautrupp gemeinsam vorrückt (ein Verbleiben auf der Klassenstufe gibt es nur in seltenen Ausnahmefällen), fallen einzelne Zimmer kleiner aus oder müssen weggelassen werden; wenn nötig, werden sie auch von einer anderen Stufe aus weiter bearbeitet.

Auf diese Weise nehmen alle SchülerInnen obligatorisch an allen Stufen teil, also auch an der so wichtigen Berufsorientierung. Berufsfindung, Berufsberatung und Betriebspraktika, um nur einige Komponenten zu nennen, haben im Obergeschoss des Hauses große Räume zur Verfügung. Wenn sie durchlaufen sind, wartet der Förderschulabschluss als Dach des Hauses.

Wie alle Dächer kann auch dieses unterschiedlich gedeckt oder auch ausgebaut werden.

(s. „Übergänge“ --- „Perspektive“)

Unterricht an außerschulischen Lernorten

Da nicht alle Kompetenzen vor Ort im „Haus des Lernens“ erworben werden können, suchen wir außerhalb der Schule Lernorte mit Lebensweltbezug.

Im Folgenden werden Stationen festgelegt, die in den einzelnen Stufen möglichst durchlaufen werden sollten. In der Unterstufe dienen die Besuche und Vorhaben hauptsächlich der sachkundlichen Erfahrung. Diese soll in der Mittelstufe erweitert und vertieft werden; hier kommen aber schon erste Aufgaben für die Gemeinschaft, bzw. Begegnungen mit der „Arbeitserziehung“ hinzu. In der Oberstufe schließlich sind alle Aktivitäten auf die spätere Lebensgestaltung und die beruflichen Bereiche ausgerichtet.

Unterstufe
  • Museen
  • Bauernhof
  • Bäcker, Metzger
  • Verkehrserziehung:
    • Fußgängerdiplom
    • Radfahrprüfung
    • Verhalten im Bus
    • Schulung durch Verkehrspolizisten
  • Umgang mit dem Schulhund
Mittelstufe
  • Waldspiele
  • Museen
  • Post
  • Rathaus
  • Dichterlesungen / Theater
  • Feuerwehr
  • Dienste  (Pausengeräte, Speisesaal, Hofreinigung, Essensliste)
Oberstufe
  • DRK  /  Malteser
  • Dienste / „Schulfirma“ ; es wird ein Entgelt erzielt, das der Finanzierung der Klassenfahrt dient (Gemeinschaftshaus putzen, Schulkiosk, Seniorenresidenz Nieder-Olm)
  • Arbeitslehretag:
    • Werken / Hauswirtschaft / Gartenpflege
  • Betriebserkundungen
  • Girl’s Day
  • Praktika in Betrieben und Berufsbildungs-Einrichtungen
  • Berufsberatung
  • Institutionen besuchen:
    • Pro Familia, Reling, Strafvollzugsanstalt, KZ Osthofen, Gericht, Schuldnerberatung, Kreisverwaltung, Landtag
  • Kultur :
    • Dichterlesungen, Museen,  Theaterführung / Vorstellung, „Lernort Kino“
  • Qualifikationen :
    • Qualifikationspass  (Arb.-Lehre)
    • Mofa-Führerschein
    • DRK-Kurs
    • Internet-Führerschein
  • Zeitungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Tageszeitung